2026-03-11

Stefan Klessmann im Gespräch: Wie die HOAS entstand

Seit Jahren prägt er die Debatte um faire Honorare in der Ausstellungsgestaltung. Im Interview spricht Stefan Klessmann über die Entstehung der HOAS und was mit Version 3 kommt.

Lieber Stefan, erzähl uns kurz, wer du bist.
Ich bin ein Boomer von 1962 🙂, habe einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund und bin seit 1995 in der Welt der Szenografie unterwegs – überwiegend kaufmännisch, aber auch etwas konzeptionell und inhaltlich.

Was hat dich zu VERA gebracht?
Als ich 2016 bei Triad Berlin ausgestiegen bin, wollte ich endlich die längst überfällige Honorarordnung für die Ausstellungsbranche schreiben. Die Idee dazu hatte ich schon länger: In 25 Jahren habe ich zig Verträge über Ausstellungsplanungen verhandelt und immer wieder erklären müssen, warum die HOAI nicht passt oder warum man nicht einfach alle Rechte abtreten kann. Bei Branchentreffen hieß es oft: „Man müsste mal…“.

Ich wusste aber, dass eine Honorarordnung nur Erfolg haben kann, wenn man die vielen Modelle und Systeme der Planerbüros zusammenführt. Deshalb habe ich VERA angefragt. Es hieß: Melde dich doch mal bei unserer Finanzgruppe …

Was denkst du, hat sich durch die HOAS am stärksten verändert?
Für viele haben sich die Honorareinnahmen und die Ausgangsposition in Verhandlungen spürbar verbessert. „Verbessert“ heißt aber noch nicht, dass es flächendeckend gut ist. Es bleibt noch Arbeit.

Welche Rolle spielt VERA für die HOAS und ihre Weiterentwicklung?
VERA zeichnet sich durch großes Engagement und konstruktive Diskussionen aus. Wichtig ist auch, dass der Verband nicht einseitig wirkt, sondern ein gutes Miteinander mit Auftraggebern sucht. Dass die HOAS beide Seiten berücksichtigt, hat viel zu ihrer Verbreitung beigetragen. VERA hat zudem viel für die Veröffentlichung und Verbreitung getan.

Wie ist der aktuelle Stand in Sachen HOAS 3?
Die Diskussionen sind weitgehend abgeschlossen und waren sehr produktiv. Es gibt eine 98%-Version, die vom Vorstand geprüft wird. Danach folgt die Fertigstellung von Tabellen, einem umfassenden Kommentar und Fachbeiträgen. Ich hoffe, dass wir Anfang April mit Korrektur und Layout starten können. Da AV-Edition den Betrieb einstellt, erscheint die HOAS diesmal im Selbstverlag.

Wenn du dir etwas wünschen könntest, was wäre das?
Ich habe auch eine englische Version fertiggestellt (SFED – Standard Fees for Exhibition Design) und investiere nun selbst in Druck und Online-Shop. Das ist viel Neuland für mich und komplexer als gedacht. Ich bin etwas nervös, ob das alles auch praktisch funktioniert, und ich hoffe, dass genügend Exemplare verkauft werden, um die Kosten zu decken – auch wenn der Kerntext weiterhin als Gratis-Download zu haben sein wird.