2026-05-08

"Wir brauchen mehr Wertschätzung für kreative Arbeit"

Die Klage von molitor gegen das Deutsche Zollmuseum wird von vielen VERA-Mitgliedsunternehmen unterstützt, auch von Impuls-Design aus Erlangen. Geschäftsführer Peter Zeiss über den wirtschaftlichen Druck öffentlicher Ausschreibungen und den dringenden Reformbedarf im Vergabewesen.


Peter Zeiss, Impuls-Design.

Peter, welche Rolle spielen öffentliche Ausschreibungen für euer Büro?
Eine große Rolle. Wir generieren einen großen Teil unserer Aufträge und unseres Umsatzes über Wettbewerbe. Dabei wägen wir im Vorfeld genau ab, an welchen Verfahren wir uns beteiligen, denn die erheblichen Kosten für die Teilnahme müssen ja über andere Projekte erwirtschaftet werden. Auch kleinere Wettbewerbe, die ohne ein großes Ausschreibungsverfahren entschieden werden, sind für uns wichtig. Sie genügen allerdings nicht, um eine kontinuierliche Auslastung zu gewährleisten.

Unbezahlte Konzeptarbeit ist in vielen Verfahren Standard. Wie geht ihr damit um?
Um einen Wettbewerb zu gewinnen, müssen wir auch mit unserer Kreativität überzeugen. Neben den formalen Unterlagen kann sich eine Agentur insbesondere durch Kreativbeiträge hervortun. Bei einem großen Wettbewerb investieren wir insgesamt zwischen 10.000 und 15.000 €. Diese Größenordnung ist in der Branche bekannt. Die Honorierung von Wettbewerbsbeiträgen liegt jedoch immer darunter und deckt nur einen Bruchteil des tatsächlichen Aufwandes ab. Gleichzeitig tun wir uns schwer damit, die Kreativarbeit zu sehr einzuschränken. 

Ihr unterstützt die Klage von molitor. Was hat euch dazu bewogen, euch finanziell zu beteiligen?
Wir wünschen uns eine „offizielle“ Haltung zum Thema Honorierung von Kreativbeiträgen. Den oft gehörten Kommentar, niemand sei verpflichtet, bei einem geforderten Kreativbeitrag viel zu investieren, halte ich für fragwürdig. Denn am Ende ist genau diese Kreativität ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal in der Beurteilung. Möglicherweise sind sich die auslobenden Stellen auch gar nicht über den tatsächlichen Aufwand, der dahintersteht, im Klaren.

Habt ihr darüber hinaus Strategien im Umgang mit unfairen oder intransparenten Vergabeverfahren?
Unsere Strategie ist es, durch präzise Fragen über die Ausschreibungsplattform Unklarheiten zu beseitigen, Widersprüche in den Vergabeunterlagen offenzulegen und so auf Anpassungen zu drängen. Ergänzen möchte ich, dass es mich immer wieder erstaunt, wie fehlerbehaftet manche Ausschreibungen sind. Allein die Klärung solcher Ungereimtheiten nimmt bereits viel Zeit in Anspruch.

Was müsste sich aus eurer Sicht strukturell am dringendsten ändern?
Mir fehlt die Wertschätzung für den Aufwand, den wir in Wettbewerbe investieren. Eine angemessene Honorierung von Wettbewerbsbeiträgen ist aus meiner Sicht ein Muss. Es ist ja auch so: Nicht jede Wettbewerbsteilnahme führt zum Erfolg, im Gegenteil, ein erheblicher Teil bleibt ohne Zuschlag. Rechnet man die Investitionen dafür hoch, wird schnell klar, dass diese Kosten schwer wieder einzufangen sind. 

Hilfreich wäre aus meiner Sicht ein klarer Schlüssel dafür, wie Kreativ- und Wettbewerbsbeiträge zu honorieren sind und wie die Aufgaben einer Agentur besser abgegrenzt werden können. Außerdem gibt es Fälle, in denen selbst für kleinere Vorhaben große Ausschreibungsverfahren gestartet werden. Dort ist der Aufwand für das Durchlaufen des Verfahrens so hoch, dass er selbst im Falle einer Beauftragung kaum wieder reingeholt werden kann. Hier könnten höhere Schwellenwerte helfen.